Schule und Corona – ein verlorenes Jahr?

Realschule am Hemberg Iserlohn – eigene Aufnahme

In einem seiner neusten Blogeinträge stellt Kollege Bob Blume 5 Thesen auf, wie seiner Meinung nach mit den Erfahrungen, die das System Schule mit der Pandemie machten, im Anschluss an diese Krise umgehen müsste. Dabei hat direkt die erste These so etwas wie einen Nerv bei mir getroffen, da sie Gedanken hervorkramte, die mir die ganze Zeit über im Hinterkopf herumschwirrten.

Auch wenn es viele anders sehen (wollen): Die Revolution bleibt aus! Und nicht nur das. Dass die Befürchtung, dass der Stoff wieder einmal alles andere in den Schatten stellt, zeigte sich schon nach der ersten Welle. Natürlich wird es wichtig zu evaluieren, wo Lücken bestehen, aber die Herausforderung wird es sein, der (auf den Stoff fokussierten) Reaktion auf diese Zeit entgegenzusetzen, welche Kompetenzen erlernt worden sind und inwiefern diese für die Weiterarbeit sehr fruchtbar sein können.

-von: DIGITAL: Schule nach Corona – 5 Thesen | Bob Blume

Das ist etwas, das ich in den ganzen Diskussionen über die aktuelle Bildungssituation ebenfalls vermisse. Die Anerkennung dessen, was sich Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, vor allem aber die Schülerinnen und Schüler in den letzten 14 Monaten an Skills angeeignet haben.

Ich habe Fünftklässler, die “First Level Support” bei ihren Klassenkameraden leisten, Fehler in Nutzernamen oder der Passworteingabe erkennen. Ich sehe Schülerinnen und Schüler, die in Gruppenarbeiten in Breakouträumen ihr Display teilen, um gemeinsam an einer Datei arbeiten zu können, ohne dass es verlangt oder gar vermittelt worden wäre. Kinder(!), die die Kalenderfunktion der Moodle-App gefunden, auf ihre Bedürfnisse angepasst und in ihren Handykalender integriert haben.

Trotzdem liest man scheinbar überall nur etwas von “Bildungslücken”, dass das “Schuljahr verloren” sei, es werden Gelder für Bildungsprogramme in den Sommerferien freigesetzt… welches Bild vermitteln wir Schülerinnen und Schülern damit? “Ihr habt euch jetzt 14 Monaten den allerwertesten aufgerissen, aber hey – so richtig zählen tut das ja nicht wirklich.”

Natürlich gibt es aus klassischer curricularer Sicht ganz sicher den ein oder anderen Nachholbedarf. Und natürlich hat längst nicht jeder Schüler von dem digitalen Zwangsboom (traurig übrigens, dass es dazu erst eine Pandemie brauchte, aber na gut) profitiert und selbstverständlich gibt es sie, die “Corona-Verlierer” unter den Kindern – die Probleme will ich hier keinesfalls ausblenden.

Vielmehr möchte ich einblenden, dass niemandem damit geholfen ist, wenn alle Schülerinnen und Schüler über denselben Defizit-Kamm geschoren werden und man ihnen das Gefühl vermittelt, ein Jahr ihres Lebens verloren zu haben, obwohl sie Großes geleistet haben.

Mein persönliches Fazit:Eventuell sollten wir alle den tatsächlichen Experten vor Ort etwas mehr Befähigung zur Einzelfallbeurteilung zutrauen. Denn letztlich kennen idR. lediglich zwei Beteiligte in diesem System die Schülerinnen und Schüler am besten: die Eltern und die Lehrkräfte.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.